«Meine Motivation? Ein gut funktionierender öffentlicher Verkehr!»

Interview mit Ruven Norelli, Instandhalter elektrische Anlagen Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ), Zürich

Im August letzten Jahres war in unmittelbarer Nähe des Zürcher Hauptbahnhofs ein Brand ausgebrochen. Betraf Sie das auch? Wird der Strom bei einem Brand automatisch ausgeschaltet?

Ich hatte damals gerade mit drei Arbeitskollegen ganz in der Nähe Weichen verkabelt. Die Leitstelle hat uns kontaktiert, weil wir schnell vor Ort sein und so am schnellsten reagieren konnten. Es sind sofort zwei Monteure zur Ereignisstelle gefahren und haben die Fahrleitungen ausgeschaltet sowie mit der Feuerwehr Kontakt aufgenommen, um mitzuteilen, dass aus ihrer Sicht die Zufahrt sicher ist.

Wie schaltet man die Fahrleitungen aus?

Man kontaktiert das EWZ und gibt an, welche Gleichrichter und Sektoren ausgeschaltet werden müssen; sie haben online einen direkten Zugang und können diese Anlagen fernsteuern, was sehr effizient ist. Danach prüfen wir auf Spannungsfreiheit und entfernen manuell den Kontakt in den Schaltkästen; das funktioniert wie bei einer Sicherung.

Zusätzlich hängen wir vorsorglich Erdstangen von den Fahrleitungen auf die Geleise, damit es zu einem Kurzschluss kommt, falls aus irgendeinem Grund trotzdem noch Strom auf die Fahrleitungen käme. So können wir hundertprozentig sicher sein, und es ist auch für Aussenstehende sichtbar, dass die Leitung gesichert ist.

So gehen wir auch vor, wenn wir für Kunden die Fahrleitungen ausschalten. Zum Beispiel für das Zurückschneiden von Bäumen, die zu nahe an der Fahrleitung stehen. Wir schalten die Fahrleitung spannungslos und erden sie zusätzlich mit Erdstangen – es ist wichtig, die Sicherheitsvorkehrungen zu visualisieren.

Gibt es viele Arbeitsunfälle?

Nein, glücklicherweise nicht. Wir werden auch periodisch für Arbeiten unter Spannung sowie zum Thema Arbeitssicherheit geschult. Dazu gehört ebenso ein allgemeiner Erste-Hilfe-Kurs.

Haben die VBZ auch Sicherheitsbeauftragte?

Ja, wir haben ein ganzes Team von Sicherheitsbeauftragten, die dafür sorgen, dass die Vorschriften im Alltag eingehalten werden.

Was wünschen Sie sich für Ihre Arbeit?

Ich möchte sehr gerne auch in Zukunft im Rahmen meiner Weiterbildung hier bei den VBZ im Bereich der elektrischen Anlagen arbeiten.

Dann wünschen wir Ihnen hierfür viel Glück! Die VBZ sind ein guter Arbeitgeber?

Ja, sehr gut, ich bin sehr zufrieden. Ich schätze es, dass wir intern geschult und auch bei Weiterbildungen unterstützt werden; besonders im sicherheitstechnischen Bereich. Den VBZ ist es wirklich wichtig, dass wir gut geschult werden und dass alles gut funktioniert.

Haben Sie Vergleichsmöglichkeiten mit Arbeitsbedingungen in der Privatwirtschaft?

In der Privatwirtschaft hat man einen hohen Zeitdruck. Wir haben zwar auch viel Arbeit, und es kann manchmal stressig sein, insbesondere, wenn man im Abendverkehr eine Fahrleitungsstörung vor Ort behebt. Das ist aber etwas anderes.

Wir stehen nicht unter demselben Zeitdruck – das heisst, wir können unsere Arbeiten in guter Qualität ausführen, sodass nachher der Betrieb auf dem Netz wieder funktioniert. Da unsere Arbeit sicherheitsrelevant ist, wird uns die notwendige Zeit für eine qualitativ hochstehende Arbeit zugestanden. Das schätze ich sehr. Natürlich wird dabei die Wirtschaftlichkeit nicht vernachlässigt.

Das macht zufriedener?

Ja, auf jeden Fall. Man kann am Abend abschalten. Wir gehen nach Hause, wissen, was wir für unsere Fahrgäste geleistet haben, und das macht mich sehr zufrieden.

Und wie sieht es mit Arbeiten in der Langstrasse aus?

(Lacht) Das ist interessant, es ist teilweise wie im Film. Da kann es auch mal vorkommen, dass jemand auf unseren Lastwagen klettert. Es geht schon, aber man kann auch nachts nicht ungestört arbeiten.

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