«Meine Motivation? Ein gut funktionierender öffentlicher Verkehr!»

Interview mit Ruven Norelli, Instandhalter elektrische Anlagen Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ), Zürich

Ein Kurzschluss führt aber nicht zu einem Ausfall des gesamten Fahrleitungssystems?

Nein, die Fahrleitungen sind in Sektoren von ca. 1 km Länge unterteilt, damit von solchen Vorfällen nicht das gesamte System betroffen ist. Zudem haben wir Gleichrichterstationen des Elektrizitätswerks, welche den Strom einspeisen. Wenn es also in einem Sektor einen Unterbruch gibt, kann auf den restlichen Linien gleichwohl gefahren werden.

Dank dieser Unterteilung können wir – auch in der Nacht – nur diejenigen Sektoren ausschalten, an deren Leitungen wir auch tatsächlich arbeiten.

Wie werden die Aufgaben im Team aufgeteilt?

Das ist sehr unterschiedlich; die Teams werden immer wieder neu zusammengesetzt, und jeder arbeitet mal mit jedem. Da die Zusammenarbeit sehr intensiv ist, kennen wir uns auch alle sehr gut.

Die Arbeiten werden nicht fix zugeteilt; jeder macht alles. Einerseits sind wir in der ganzen Stadt tätig, und andererseits gibt es sehr viele unterschiedliche Arbeiten zu erledigen: Wir fügen neue Fahrleitungen ein, reparieren in den Depots Fahrleitungssteuerungen, erledigen in einem Betriebshof sonstige Arbeiten oder führen Kontrollen aus.

Wir sind selten während mehreren Tagen an einer grossen Arbeit; das kommt eigentlich nur vor, wenn wir sehr lange Kabelstrecken einziehen müssen.

Arbeiten Sie auch am Wochenende?

Ja, vor allem auf Grossbaustellen. Zum Beispiel auf der Baustelle am Central haben wir im Zwei-Schicht-Betrieb auch am Wochenende gearbeitet. In diesen Fällen erfolgt ein Austausch zwischen den beiden Schichten, damit die Arbeiten sauber übergeben und die Fertigstellung reibungslos funktionieren kann.

Müssen Sie auch Pikettdienst leisten?

Ja, unser Team leistet an 365 Tagen während 24 Stunden Pikettdienst. Dabei ist der Pikettdienst am Tag von demjenigen in der Nacht bzw. an den Wochenenden zu unterscheiden.

Von Montag bis Freitag sind tagsüber drei Personen von unserem Team in eine Pikettgruppe eingeteilt. Dieses Team fährt ebenfalls Kontrollen mit einem Turmwagen, wird aber bei einer Störung für eine rasche Intervention aufgeboten. Jeweils zwei Mitglieder dieser Pikettgruppe sind dann ab Feierabend um 16 Uhr bis morgens zum Schichtbeginn auf Abruf.

Kommt es nachts zu einer Störung, prüft die Leitstelle zuerst, ob sie ein Team des Nachtdienstes beheben kann oder ob die Kollegen vom Pikettdienst aufgeboten werden müssen. Das ist von verschiedenen Faktoren abhängig, zum Beispiel, ob die Kollegen vom Nachtdienst an dringenden oder umfassenden Aufgaben arbeiten, die man nicht unterbrechen kann oder die bis zum Betriebsbeginn am frühen Morgen fertig sein müssen. Im Pikettdienst ausserhalb des Tagdienstes unterstützt uns ein Kollege vom Team «Mechanische Anlagen».

Oberste Priorität ist, dass morgens um 4.30 Uhr der Betrieb wieder normal aufgenommen werden kann.

Bei einem Piketteinsatz müssen also immer drei Kollegen erscheinen?

Ja, auf der Arbeitsbühne sind wir immer zu zweit. Es darf nie alleine an den Fahrleitungen gearbeitet werden, das ist zu gefährlich. Der dritte Kollege ist für die Verkehrssicherheit verantwortlich.

Muss man in der Nähe wohnen, um für den Pikettdienst schnell vor Ort sein zu können?

Der Wohnort darf maximal 30 Minuten vom Betriebsgebäude in Altstetten weg liegen. Für mich persönlich ist das kein Problem, da ich nur 10 Minuten von der Firma entfernt wohne.

Werden Sie in der Nacht oft aufgeboten?

Nein, unter der Woche eher selten, weil ab 23.10 Uhr der Nachtdienst vor Ort ist. Am Wochenende kann das aber schon mal vorkommen.

Wie gut haben Sie sich an die Schichtarbeit gewöhnt?

Ich kenne die Schichtarbeit bereits von meiner vorherigen Tätigkeit am Flughafen, weil einzelne Arbeiten dort auch nur nachts ausgeführt werden konnten.

Für mich ist es kein Problem, ich glaube, für niemanden in unserer Abteilung. Wir haben uns alle sehr gut daran gewöhnt. Es gibt allerdings Mitarbeitende, die lieber nachts arbeiten, und solche, die die Tagesschicht bevorzugen. Wir werden fix eingeteilt, können aber abtauschen. Jedes Teammitglied muss jedoch eine Mindestanzahl an Nachtschichten leisten.

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