Phänomen Homeoffice: Herausforderungen und Chancen für die Arbeitswelt

Sessionsveranstaltung der Parlamentarischen Gruppe für Arbeit vom 8. September 2020

Der Bundesrat hat während der ausserordentlichen Lage «Covid-Pandemie» den Arbeitgebern empfohlen, wo immer möglich Homeoffice anzuordnen. Dies hat sowohl die Arbeitgeber als auch die Arbeitnehmenden vor teils grosse Herausforderungen gestellt. Wie kann Kinderbetreuung mit Homeoffice vereinbart werden? Welche Probleme stellten sich mit Bezug auf die Infrastruktur? Welche Vor- und Nachteile sind aus der Homeoffice-Zeit erkennbar?

Vertreter aus Politik und Wissenschaft wie auch die Interessenvertreter der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite – unter Ihnen Öffentliches Personal Schweiz – haben ihre Erkenntnisse aus dieser Zeit im Rahmen der Sessionsveranstaltung der Parlamentarischen Gruppe für Arbeit am 8. September 2020 in Bern diskutiert.

Öffentliches Personal Schweiz (ZV) ist als Trägerverband und Mitglied der Ebenrainkonferenz bei den Treffen mit der Parlamentarischen Gruppe für Arbeit stets dabei. Präsident Urs Stauffer, Vizepräsident Hans Erdin und ZVInfo-Redaktorin Gabriela Sollberger haben an der diesjährigen Veranstaltung, für einmal Covid-19-bedingt nicht im Bundeshaus, sondern im Hotel Schweizerhof, teilgenommen.

Als Hauptreferentin legte Frau Dr. Sabine Steiger-Sackmann, Dozentin an der ZHAW School of Management and Law, die Erkenntnisse zur «Homeofficeperiode» aus juristischer und arbeitswissenschaftlicher Sicht dar.

Erkenntnisse der Arbeitswissenschaft

Homeoffice ist mit vielen Erwartungen verbunden. Je nach Standpunkt sind dies Vor- oder Nachteile. Die Auswirkungen sind verschiedenen Ebenen zuzuordnen, wie beispielsweise der Verkehrs- und Raumplanung, aber auch der betrieblichen und individuellen Ebene der Arbeitnehmenden. Den Arbeitgebern stelle sich indessen primär die Frage nach der Produktivität. Sie, so die Referentin, habe in zahlreichen Publikationen gelesen, dass Homeoffice zu einer starken Zunahme der Produktivität führe.

Dabei sei augenfällig, dass in all diesen Publikationen auf ein und dasselbe Experiment verwiesen werde (Does working from home work? Evidence from a Chinese experiment, The Quarterly Journal of Economics (2015), 165-218).

In diesem Experiment ging es um die Ctrip.com International, die grösste Reiseagentur Chinas mit einer Filiale in Schanghai. Ctrip ermöglichte alternative Arbeitsformen und führte dazu unter wissenschaftlicher Begleitung ein Experiment durch. Gründe für die ungewöhnliche Art der Arbeitserledigung waren die hohen Raumkosten und die grosse Fluktuation im Unternehmen – also durchaus Probleme des Arbeitgebers. Als Teilnehmer kamen Mitarbeitende der Abteilung Hotel- und Flugbuchung in Frage. Diese beantworten telefonische Kundenanfragen und bearbeiten sie am PC – eine Arbeit, die auch von zu Hause aus wahrgenommen werden kann.

Die Mitarbeitenden wurden informiert, dass sie sich am Experiment beteiligen können, sofern sie zu Hause über einen separaten Raum, einen Breitband- sowie Telefonanschluss verfügen. Es haben sich über 500 der 996 Mitarbeiter für das Experiment gemeldet, die Hälfte wurde (zufällig) ausgewählt, nämlich diejenigen mit einem geraden Geburtsdatum. Die ausgewählten Interessenten konnten anschliessend während 6 Monaten von zu Hause aus arbeiten. Konkret waren sie 4 Tage die Woche zu Hause und 1 Tag für Schulungen und Gedankenaustausch im Unternehmen.

Verlängerungen der vorgegebenen Schichten waren technisch nicht möglich, weshalb es ausser dem Arbeitsort keinen Unterschied zwischen den einzelnen Gruppen gab. Zudem liess sich die Arbeitsleistung anhand der wöchentlich beantworteten Telefonanrufe sehr gut messen. In Bezug auf die Telefonanrufe unterschieden sich die beiden Gruppen vor dem Experiment nicht.

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