Trinkwasser – das wichtigste Lebensmittel

Interview mit Bruno Boss, Brunnenmeister Gemeinde Köniz

Wie gehen Sie mit Trockenphasen wie diesen Sommer um?

Dadurch dass wir Wasser aus den grossen Einzugsgebieten der Sense und Aare nutzen ist die Wassermenge im Moment kein Problem. Ich und vermutlich auch die meisten anderen Menschen sind sich aber bewusst, dass es in den nächsten Monaten schon noch einige ausgiebige Niederschläge braucht, um nicht grössere Probleme mit der Trinkwasserversorgung zu bekommen.

Wie viele Leute werden von Euch versorgt?

Rund 40 000 Personen. Die Gemeinde Köniz ist sehr gross. Während dem alljährlichen Gurtenfestival sind es noch mehr. Der Berner Hausberg Gurten liegt auf Könizer Gemeindegebiet, weshalb wir während dem Festival sicherstellen müssen, dass genügend Wasser vorhanden ist. Wir benötigen in diesen Tagen im Versorgungsgebiet Gurten rund 20 mal mehr Wasser als im Normalbetrieb.

Haben Sie hier gutes Trinkwasser?

Ja, wir haben hier in Köniz sehr gute Verhältnisse. Wir profitieren von kurzen Wegen zu den Trinkwasserschutzgebieten und müssen zum Glück nicht mit Trinkwasserverschmutzungen kämpfen. Wir kennen ausserdem die Leute in der Nähe der Quellschutzgebiete gut. Das ist übrigens auch eine wichtige Aufgabe von mir: Den Kontakt mit den Landwirten zu pflegen, damit eine gute Zusammenarbeit entsteht. Je näher sie ihr Land bei den Quellschutzgebieten bewirtschaften, desto wichtiger ist es, dass sie keinen Dünger verwenden, und mithelfen das Grundwasser vor Verschmutzung zu schützen.

Wie kontrollieren Sie die Wasserqualität?

Wir entnehmen regelmässig Wasserproben und lassen sie in einem akkreditierten Labor analysieren.

Wie regelmässig erfolgen diese Kontrollen?

Alle 14 Tagen werden Proben entnommen und die Qualität überprüft.

Werden die Wasserfassungen elektronisch überwacht?

Ja, wir haben in allen Wasserfassungen Qualitätsüberwachungsgeräte, die rund um die Uhr eine gewisse Grundqualität messen und aufzeichnen.

Wenn etwas nicht den Vorgaben entspricht, erhalten wir automatisch eine Warnmeldung und das System wird sofort abgeschaltet, um die Wasserqualität nicht zu gefährden.

Früher wurden Forellen oder Wasserflöhe zur Überprüfung der Wasserqualität eingesetzt, gibt es das auch noch?

In Köniz nicht. Soviel ich weiss gibt aber noch Wasserversorgungen, die in einem separaten Wasserkreislauf im Aquarium mit Fischen oder Wasserflöhen die Wasserqualität überwachen. Mit Fischen aus Tierschutzgründen immer weniger.

Die Wasserflöhe reagieren sehr schnell auf Veränderungen der Wasserqualität. Der Computer kontrolliert mit regelmässigen Standbildern vom Aquarium ob sich die Tiere normal bewegen, wenn nicht, wird ein Alarm ausgelöst.

Heute ist man aber technisch auf einem so hohen Stand, dass man die erwähnten Messgeräte rund um die Uhr und sehr zuverlässig betreiben kann. Wenn sich die Werte im Wasser verändern, wird ein Alarm ausgelöst.

Wohin geht der Alarm?

Er geht an den Pikettleiter. Teilweise gibt es einen Automatismus für die Abschaltung. Wir können aber nach Eingang des Alarms das System auch von zu Hause aus abschalten, wenn es notwendig ist bzw. bis wir vor Ort alles überprüfen konnten.

Das hat sich offenbar enorm verändert.

Ja, auf jeden Fall. Früher musste man bei jeder Meldung ausrücken; heute kann ich von zu Hause aus mittels Computer die Angaben zuerst kontrollieren, gewisse Einstellungen an den Anlagen vornehmen und bei Bedarf trotzdem noch ausrücken.

War die technische Entwicklung eine Herausforderung?

Ja. Das macht die Arbeit auch sehr spannend und die stetige Weiterentwicklung der Technik bringt immer wieder neue Herausforderungen mit sich, die man vorher noch nie sah.

Wie wichtig ist das Thema Arbeitssicherheit?

Die Arbeitssicherheit gehört auch in meinen Verantwortungsbereich. Auch von daher muss ich die Baustellen regelmässig besuchen und kontrollieren, ob meine Mitarbeiter ihre persönliche Schutzausrüstung auch wirklich tragen und ob die Gräben den Sicherheitsstandards entsprechen. Wenn etwas nicht in Ordnung ist, nehme ich entsprechend Einfluss. Natürlich hat auch jeder Monteur das Recht und die Pflicht die Sicherheitsvorkehrungen eines Grabens durchzusetzen oder zu beanstanden.

Besonders wichtig ist dies bei den Anlagen mit Mittelspannungs-Strom. Wir haben eigene Trafostationen, welche wir betreuen – in diesem Bereich ist es besonders wichtig, darauf zu achten, dass die Mitarbeitenden entsprechend ausgebildet sind. Die Gesundheit der Menschen steht über allem.

Besuchen Sie und Ihr Team regelmässig Schulungen?

Ja, da alle Mitarbeiter alle Arbeiten ausführen können, müssen auch alle entsprechend geschult sein.

Damit jeder die neusten Standards und Materialien kennt, ist es wichtig, dass sie die Weiterbildungen regelmässig besuchen können. Das sind Veranstaltungen zu den Themen Hydranten, Rohrleitungsbau oder Inneninstallationen sowie Kurse, in denen die verschiedenen Materialien thematisiert werden.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf?

Im Trinkwasser-Bereich hat man sehr viele schöne Erlebnisse mit der Bevölkerung. Der Wert von gutem Trinkwasser wird sehr geschätzt. Das ist für mich die Hauptmotivation. Wir geben gerne Auskunft über die Trinkwasserqualität und wir erhalten eigentlich immer positive Rückmeldungen.

Wenn man gut und sauber arbeitet, hat man ein System, das die nächsten Jahrzehnte funktioniert und gute Trinkwasserqualität liefert.

Viele gute Kontakte gibt es auch mit Bierbrauern, welche Auskünfte zur Wasserqualität möchten. Es gibt mittlerweile ja zahlreiche kleinere private Bierbrauereien.

Die Rückmeldungen sind durchwegs positiv?

Ja. Es gibt ja viele Leute, die gegenüber der öffentlichen Verwaltung nicht nur positiv eingestellt sind. Das ist bei der Wasserversorgung anders. Ich habe deshalb veranlasst, dass auf unseren Autos ganz gross Wasserversorgung steht – und das funktioniert: wenn jemand sieht, dass wir von der Wasserversorgung sind, heisst man uns in der Regel gerne willkommen.

Natürlich werden wir auch mit kritischen Rückmeldungen konfrontiert; insbesondere wenn wir ausnahmsweise die Wasserversorgung notfallmässig unterbrechen mussten und vorgängig nicht informieren konnten.

Ist die Gemeinde Köniz eine gute Arbeitgeberin?

Ja, auf jeden Fall. Ich bin davon überzeugt, dass man hier bei der Gemeinde Köniz als Handwerker sehr gute Anstellungsbedingungen hat, auch im Vergleich mit der Privatwirtschaft.

Würden Sie Ihren Beruf wiederwählen?

Ja, sofort.

Gibt es lustige Anekdoten aus dem Arbeitsalltag?

Ja, immer wieder. Die Wasserqualität ist in der Bevölkerung oft Thema. Ich hatte mal ein rund eineinhalbstündiges Telefonat mit einer 84-jährigen Frau. Sie wollte diverse Informationen über die Wasserqualität, weil sie bereits seit Jahrzehnten von diesem Wasser trinkt. Ich habe dann versucht, ihr zu sagen, dass wenn sie schon so viele Jahre davon trinkt und es ihr noch immer gut geht, dies ja auch eindeutig für die gute Wasserqualität spricht.

Mir ist es sehr wichtig, dass ich mir die Zeit für unsere Bevölkerung und ihre Anliegen nehmen kann.

Und wie verbringen Sie Ihre Freizeit? Wie können Sie von der Arbeit abschalten?

Ich verbringe sehr gerne Ferien in den skandinavischen Ländern sowie in den baltischen Staaten.

Ich bin sehr vielseitig interessiert, gehe gerne an Konzerte und geniesse gleichzeitig die Ruhe in der Natur – wie in Skandinavien in einer Blockhütte, wo kein Lärm der Zivilisation zu hören ist. Mir gefällt also gleichermassen die Ruhe morgens um 5 Uhr in Finnland an einem See auf der Terrasse mit dem ersten Kaffee und andererseits ein Ausflug zum Beispiel an die Streetparade in Zürich.

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