Starker Rückhalt für den Service public

Jahresbericht 2018

Frauenfragen

Die Gleichstellung der Geschlechter beschäftigt die Gewerkschaften und Arbeitnehmerverbände seit Jahren, ohne dass sich viel bewegt. Nicht erstaunlich, dass im Berichtsjahr der 13. Frauenkongress des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes die tatsächliche Umsetzung der Lohngleichheit forderte und Aktivitäten für das Jahr 2019 ankündigte (Frauenstreik). Das Ressort Frauenfragen unterstützt sämtliche Bemühungen, welche der Lohngleichheit endlich zum Durchbruch verhelfen sollen.

Im Berichtsjahr hat sich die Ressortleitung mit der Revision des Gleichstellungsgesetzes auseinandergesetzt. Der Vorschlag des Bundesrates, dass öffentliche und private Unternehmen ab 50 Mitarbeitenden zur Lohngleichheitsanalyse verpflichtet werden, wurde abgeschwächt, und erst Unternehmen ab 100 Mitarbeitenden werden von den neuen Massnahmen erfasst. Das revidierte Gleichstellungsgesetz ist noch nicht in Kraft; die Referendumsfrist läuft noch bis anfangs April 2019. Die Verwirklichung der tatsächlichen Gleichstellung dürfte aber gleichwohl noch ein weiter Weg sein, weshalb das Thema Öffentliches Personal Schweiz (ZV) wohl auch in den nächsten Jahren begleiten wird.

Zusammenarbeit mit anderen Verbänden

Je mehr Mitglieder einem Verband angehören, desto engagierter kann er auftreten und seinen Anliegen Gehör verschaffen. Vor über 20 Jahren haben sich deshalb auf Initiative von Öffentliches Personal Schweiz (ZV) befreundete Verbände zum ersten Mal getroffen und die Ebenrain-Konferenz gegründet. Die Organisation verfügt über themenspezifische Arbeitsgruppen, die sich regelmässig oder je nach aktuellem politischem Thema und Geschäft ad hoc austauschen und gemeinsame Stellungnahmen erarbeiten. So können die Verbände das jeweils vorhandene Know-how gezielt aufbauen und nutzen.

Ein weiteres wichtiges Gefäss, um sich auf nationaler Ebene zu engagieren und Gehör zu verschaffen, ist die parlamentarische Gruppe für Arbeit. Zweimal jährlich treffen sich die Vertreter/innen der grossen Gewerkschaften und Verbände sowie rund 70 National- und Ständeräte während der Session in Bern zu einer Mittagsveranstaltung mit Vorträgen und Diskussionen zu aktuellen Themen aus der Arbeitswelt. Die Veranstaltung bietet Gelegenheit, den Anliegen des öffentlichen Personals im persönlichen Austausch mit Politikern auf Bundesebene Gehör zu verschaffen. Im Berichtsjahr nahmen an diesen Veranstaltungen für Öffentliches Personal Schweiz (ZV) Präsident Urs Stauffer und Vizepräsident Hans Erdin teil.

Öffentliches Personal Schweiz (ZV) konnte zudem den Beobachterstatus beim Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB) verlängern, was die Teilnahme an den Vorstandssitzungen des SGB ermöglicht und so auch auf dieser Ebene für einen guten Austausch sorgt. Präsident Urs Stauffer übernahm diese Aufgabe und konnte sich aktiv an Diskussionen beteiligen, ohne dass der Verband seine Neutralität oder Unabhängigkeit durch einen Beitritt aufgeben müsste.

Website

Die Website von Öffentliches Personal Schweiz (ZV) war über 10 Jahre alt und hatte hinsichtlich ihres Aufbaus, ihres Designs und ihrer technischen Möglichkeiten eine Überarbeitung dringend nötig. Sie ist nun technisch auch für den Gebrauch mit Tablets und Smartphones fit. Aufbau und Design der Website ermöglichen ein schnelles Auffinden von Informationen und sollen dazu einladen, auf der Seite zu verweilen und die vielseitigen Beiträge zu entdecken. Die neue Seite ist seit Mitte Januar 2018 online.

Mitgliederzeitschrift ZV Info

Die Mitgliederzeitschrift ZV Info ist das wichtigste Kommunikationsmittel der Verbandsleitung mit den Mitgliedern. Die Verbandsleitung sowie externe Autoren informieren über aktuelle Themen im Zusammenhang mit dem Erwerbsleben, der beruflichen Vorsorge, des öffentlichen Personalrechts, den Berufen im öffentlichen Dienst sowie über die Dienstleistungen der Vertragspartner von Öffentliches Personal Schweiz (ZV).

Trotz der wachsenden Bedeutung der digitalen Medien werden die Vorteile von Printmedien nach wie vor geschätzt. Die ZV Info wird allen Mitgliedern zehnmal jährlich per Post zugestellt; wer die digitale Version bevorzugt, kann die ZV Info auf der Website auch online einsehen.

Die Mitgliederverbände von Öffentliches Personal Schweiz (ZV) können die ZV Info ausserdem zur Verbreitung von GV-Protokollen, Jahresberichten oder Ähnlichem sowie zur Information ihrer Mitglieder über ihre Tätigkeit, bevorstehende Veranstaltungen oder Anlässe nutzen. Diese Berichterstattungen dienen auch dem verbandsübergreifenden Informationsaustausch. Da sich oft mehrere Verbände mit ähnlichen Themen beschäftigen, besteht so die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen und sich gegenseitig mit Fachwissen zu unterstützen.

Die Redaktionsschlüsse sind auf der Website von Öffentliches Personal Schweiz (ZV) einsehbar. Die Redaktion freut sich über zahlreiche Einsendungen und Beiträge und steht auch bei der redaktionellen Überarbeitung von Beiträgen gerne tatkräftig zur Seite.

Interviews «Menschen im Service public»

Seit dem Jubiläumsjahr 2014 führen Michael Merker, Hans Erdin und Sandra Wittich Interviews mit Mitarbeitenden im öffentlichen Dienst, die über ihre Arbeit, ihre Motivation und ihren beruflichen Werdegang berichten. Für die Bilder der Interviewpartner am Arbeitsplatz ist Hans Erdin verantwortlich. Die ersten 45 Interviews wurden in einem hochwertig gebundenen Buch zusammengefasst, wovon bereits über 400 Exemplare verkauft oder verschenkt wurden.

Im Berichtsjahr erschienen in der ZV Info Interviews mit:

  • Pascal Huber, Verkehrsexperte, Zürich
  • Andrea Depeder, Betriebsleiterin Zürcher Saalsporthalle
  • Michael Müller, Bestatter, Bestattungs- und Friedhofamt Zürich
  • Suzana Cufer, Bauingenieurin, Winterthur
  • Alexander Demme, Chauffeur Kehrichtwagen Köniz
  • Bruno Boss, Brunnenmeister Gemeinde Köniz

Löhne

Lohnvergleich

Der von Ehrenmitglied Ruedi Brosi geschaffene Lohnvergleich wurde im Berichtsjahr bereits zum 17. Mal veröffentlicht. Der Lohnvergleich stellt die Löhne einer breiten Auswahl an Funktionen im öffentlichen Dienst dar. Offensichtlich ist, dass nicht sämtliche Berufe abgebildet werden können, weshalb der Lohnvergleich als Orientierungshilfe für Funktionen mit ähnlichem Anforderungsprofil und Verantwortungsgrad zu verstehen ist. Der Lohnvergleich dient mit seinen Basisinformationen als Grundlage für individuelle Lohnverhandlungen. Die Tabellen der letzten Jahre sind auf der Website www.oeffentlichespersonal.ch verfügbar. Dr. Robert Brawer hat die Aufgabe übernommen, die Zahlen alljährlich anhand der Angaben der Personalämter zu aktualisieren.

Lohnverhandlungen

Die alljährlichen Eingaben für die nächste Lohnrunde sowie allfällige Verhandlungen gehören zum Kerngeschäft der Mitgliederverbände von Öffentliches Personal Schweiz (ZV). Die Formulierung dieser Forderungen ist nicht einfach und orientiert sich einerseits zu einem erheblichen Teil an der Situation vor Ort und andererseits an der gesamtschweizerischen Lohnentwicklung. Matchentscheidend ist in der Regel die politische Zusammensetzung des Entscheidgremiums und dessen Wohlwollen gegenüber dem öffentlichen Personal.

Öffentliches Personal Schweiz (ZV) erachtet im Berichtsjahr die Forderung nach einer Reallohnerhöhung von 2 Prozent als realistisch. Insbesondere für jene Mitarbeitenden in der öffentlichen Verwaltung, die in den vergangenen Jahren keine oder nur eine bescheidene Reallohnerhöhung erhalten haben.

Zu berücksichtigen waren im Berichtsjahr auch die Teuerung sowie die darin nicht berücksichtigten, steigenden Krankenkassenprämien. Öffentliches Personal Schweiz (ZV) erinnerte zudem daran, dass auch Forderungen nach einer Flexibilisierung der Arbeitszeitmodelle, der Gewährung von unbezahltem Urlaub, mehr Ferientagen, der Erhöhung des Vaterschaftsurlaubs und Unterstützung im Bereich Weiterbildung gestellt werden sollten.

Als weitere Argumentationshilfe erhebt Öffentliches Personal Schweiz (ZV) jeweils anfangs Jahr die Ergebnisse der Lohnrunde für das laufende Jahr. Dies soll aufzeigen, wie die Lage in anderen Verbänden ist und bei der Bewertung der eigenen Erfolge oder Misserfolge helfen.

Rechtsberatung

Öffentliches Personal Schweiz (ZV) unterstützt seine Mitgliederverbände auch in personalrechtlichen Fragen. Rechtsanwalt und Verbandssekretär Dr. Michael Merker prüfte auch im vergangenen Jahr zahlreiche Vernehmlassungsunterlagen zu revidierten Personalerlassen. Er erstellt jeweils zuhanden des Mitgliederverbandes eine detaillierte Stellungnahme mit Verbesserungsvorschlägen.

Bei der Prüfung der Personalerlasse ist aufgefallen, dass oft Regelungen hinsichtlich der Verwendung von Arbeitszeit für die Verbandsarbeit fehlen. Dies ist jedoch ein wichtiges Argument, um neue und auch jüngere Vorstandsmitglieder für dieses Ehrenamt zu gewinnen – wer dafür keine Ferientage «opfern» muss, ist eher bereit, sich zu engagieren. Öffentliches Personal Schweiz (ZV) hat deshalb in der ZV Info März 2018 eine Musterformulierung publiziert, wie der Anspruch auf bezahlten Urlaub für die Verbandsarbeit in einem Personalerlass verankert werden kann.

Einzelmitglieder, die im Rahmen ihres Arbeitsverhältnisses rechtliche Unterstützung benötigen, erhalten bei Dr. Merker eine erste kurze rechtliche Einschätzung ihrer Situation sowie eine Empfehlung zum weiteren Vorgehen. Im vergangenen Jahr gingen Anfragen ein zu Arbeitszeugnissen, Mobbing, ungerechtfertigt schlechten Mitarbeitergesprächen oder Kündigungen aus unterschiedlichsten – auch ungerechtfertigten – Gründen.

Wer rechtliche Hintergründe kennt und weiss, aus welchen Situationen Konflikte entstehen können, weiss auch, wann professionelle Hilfe notwendig wird. In der Mitgliederzeitschrift ZV Info wird deshalb regelmässig über aktuelle Gerichtsentscheide berichtet. Im Berichtsjahr wurde über die folgenden Themen berichtet:

  • Rückerstattung von Ausbildungsbeiträgen
  • Ordentliche Kündigung eines Anstellungsverhältnisses
  • Stärkung des gerichtlichen Rechtsschutzes bei Entlassungen durch den Staat

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