Erhöhung des Frauenrentenalters auf 65 Jahre?

Vernehmlassung zur Stabilisierung der AHV (AHV 21)

Dr. Corinne Saner (Geschäftsleitung)

Die AHV muss gerettet werden – darin sind sich alle einig. Wie so oft, wenn das Eis dünn wird und Matthäus am letzten ist, sollen die Frauen die Karre aus dem Morast ziehen – so auch bei der «Stabilisierung der AHV», die nun weitgehend dadurch erreicht werden soll, dass das Rentenalter der Frauen angehoben wird. Unter Gleichstellungsaspekten spricht natürlich alles dafür, dass sowohl für Männer als auch für Frauen das Referenzalter 65 gelten soll. Etwas unschön ist, dass es mit der Gleichstellung immer dann klappt, wenn den Frauen die gleichen Pflichten auferlegt werden sollen wie den Männern, während die Umsetzung gleicher Rechte wie z.B. gleicher Entlöhnung nicht ganz so flott geht. Nun denn, die Stabilisierung der AHV hat Priorität – und schliesslich werden Frauen laut Statistik älter als Männer.

Mit dem gleichen Rentenalter für Männer und Frauen wird der seinerzeitige Grund für den früheren Renteneintritt der Frauen über Bord geworfen. Ursprünglich wurden Männer mit 65, Frauen mit 62 pensioniert, weil – wiederum statistisch – beim Gros der Ehepaare der Ehemann rund 3 Jahre älter ist als die Ehefrau und mit dem tieferen Rentenalter der Frauen ein Ehepaar ungefähr gleichzeitig in Rente gehen konnte. Das hat sich mit gleichem Rentenalter überlebt – was angesichts einer Scheidungsrate von rund 50 % zu verkraften ist.

Dass die Weiterarbeit nach dem Referenzalter mit Anreizen gefördert wird, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Wir werden bei immer besserer Gesundheit immer älter und investieren immer mehr Zeit in Aus-, Fort- und Weiterbildung. Da macht es Sinn, dieses Knowhow auch nach dem Referenzalter 65 in Erwerbsarbeit einzusetzen, und sei es nur in einer Teilzeitbeschäftigung. Zu hoffen bleibt, dass sich auch die Arbeitgeber diesem Trend öffnen und Männer und Frauen im fortgeschrittenen Referenzalter noch anstellen.

Zusammenfassend: «AHV 21» ist notwendig, massvoll und unterstützenswert. Wenn die Vorlage angenommen wird, haben die Frauen gesellschaftspolitisch aber «öppis z’guät».

Hans Erdin (Vizepräsident)

Kern der Vernehmlassung zur Stabilisierung der AHV ist die Anpassung des Referenzalters für Frauen und Männer. Rückblickend auf die Abstimmung vom 24. September 2017 ist dies nicht ohne Ausgleichsmassnahmen möglich. Die Vorschläge gehen in die richtige Richtung: Geringere Kürzungen bei einem Rentenvorbezug für Frauen mit niedrigem Einkommen oder in einer zweiten Variante Rentenerhöhungen für Frauen in der Übergangsgeneration, die bis 65 oder länger im Arbeitsprozess bleiben.

Ein weiterer wichtiger Schritt ist die Flexibilisierung der Pensionierung, welche neu zwischen 62 und 70 Jahren erfolgan kann und in dieser Zeit kann die volle AHV-Rente oder ein Teil bezogen werden. Dass die Weiterarbeit nach dem Referenzalter finanzielle Vorteile bringen soll, ist meiner Meinung nach zwingend.

Alles in allem finde ich den Lösungsansatz des Bundesrates gut und unterstützenswert.

Peter Meier (Vorstand)

Die Verknüpfung der AHV-Reform mit der Steuerreform 17 ist eine Mogelpackung, um die damals vom Volk abgelehnte Unternehmenssteuerreform III doch noch durchzubringen. Auch wenn die Steuerreform 17 etwas abgeschwächt ist, im Vergleich zur Unternehmenssteuereform III, gibt es doch immer noch erhebliche Steuerausfälle für die öffentliche Hand. Dies führt dann entweder zu mehr Steuern für Private oder aber Leistungsabbau (so zum Beispiel im Kanton Luzern, wo wegen Steuersenkungen für Unternehmungen erheblich bei der Bildung und im sozialen Bereich gespart werden muss).

Trotz dieser Verknüpfung wäre die AHV immer noch erst bis 2030 gesichert. Wenn man soviel in die Waagschale wirft, würde ich mir eine längerfristigere Absicherung der AHV erhoffen, insbesondere für jüngere Generationen.

Die Gleichberechtigung von Frau und Mann in der AHV finde ich in Ordnung, allerdings müsste die Gleichberechtigung dann auch in anderen Bereichen (z. B. gleiche Löhne für gleiche Arbeit, aber auch z. B. gleiche Witwenrenten für Hausmänner) in Angriff genommen werden.

Ich würde einen Teil der Finanzierung der AHV über eine moderate Erbschaftssteuer gewährleisten. Damit dies mehrheitsfähig wäre, würde ich die Erbschaftssteuer so ausgestalten, dass bei Weiterführung von KMU’s dieser Tatbestand von der Erbschaftssteuer ausgeschlossen wäre und von der Steuer nur Reiche leicht betroffen wären.

Patricia Stöckli (Vorstand)

Es ist richtig dass AHV-Alter der Frau auf 65 zu erhöhen. Im BVG handhaben dies einige Versicherer bereits so. Eine Flexibilisierung des Rentenalters ist vielleicht aus mehreren Möglichkeiten sinnvoll. In gewissen Fällen könnte damit eine IV-Rente oder ALV umgangen werden. Gerade ab 60 hat es viele die aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten möchten, der Arbeitgeber aber nicht so kulant und im schlimmsten Fall vielleicht eine Kündigung die Folge ist.Wie bei allen Sozialversicherungen hat eine Änderung immer Einfluss auf alle verschiedenen Zweige, das ist bei der Revision unbedingt zu beachten.

Urs Bertsch (Vorstand)

Eine Rückfrage bei den Mitgliedern in meinem Verband, dem Verband des Glarner Staats- und Gemeindepersonals, hat zu folgendem Ergebnis geführt:

  • Alle Befragten sind sich einig, dass das Rentenalter für Frau und Mann auf 65 Jahre angeglichen werden sollte, da Gleichberechtigung nicht nur eine Einbahnstrasse ist. Eine weitere Erhöhung des Rentenalters für Frau und Mann wird entschieden abgelehnt. Bei den Ausgleichsmassnahmen zur Erhöhung des Frauenrentenalters sind die Meinungen gespalten, während die einen den Frauen, welche in der Zeit der Umstellung betroffen sind, eine Besitzstandsgarantie geben wollen, möchten die anderen keinen Ausgleich.
    Meine Meinung deckt sich mit der Angleichung des Rentenalters von Frau und Mann auf 65 Jahre. Allerdings bin ich der Meinung, dass bei den Frauen die Lösungsansätze gemäss Variante 1 geprüft werden sollten.
  • Bei der Finanzierung des AHV-Fonds sind die Meinungen ebenfalls gespalten. Während die einen die Finanzierung über die Mehrwertsteuer begrüssen sind andere vollkommen dagegen. Ein Argument dagegen war der Umstand, dass die Mehrwertsteuer keine Progression kennt und damit der kleine Mann (Frau) gleichviel beiträgt, wie der Grossverdiener. Deshalb wird eine Finanzierung über Lohnprozente von der Mehrheit bevorzugt. Ein Befragter war der Meinung, dass Ersparnisse aus dem Bundeshaushalt den AHV-Fonds zusätzlich speisen soll. Er führte Einsparungen im Bereich Entwicklungshilfe, Asylwesen und Kaufkraftanpassungen bei den Auslandrenten an.
    Meine persönliche Meinung tendiert ebenfalls zur Finanzierung über Lohnprozente. Mir scheint für gering Verdienende die Erhöhung der Mehrwertsteuer eine ungerechte Lösung zu sein.
  • Ein Votum geht dahin, dass flankierend zur AHV-Revision auch der Arbeitnehmerschutz der Ü50 verbessert werden sollte. Dies mit der Begründung, dass nur jemand länger arbeiten kann, welcher auch einen Job hat. 
    Diesem Votum kann ich mich nur anschliessen.
  • Ein anderes Mitglied ist der Meinung, dass ein Vorbezug der AHV nur noch in Härtefällen möglich sein soll.
    Dieses Votum entspricht nicht meiner Meinung. Ich bin der Ansicht, dass eine Frühpensionierung bzw. eine Flexibilisierung  nach wie vor möglich sein sollte. Diese sollte sich auf den Alterspanne 60 bis 70 beziehen. Logischerweise sollte der Bezug nach 65 bzw. 70 Jahren belohnt werden.
  • Ein Anliegen der befragten Mitglieder war der Wegfall der Heiratsstrafe bei der AHV wie auch bei den Steuern.
    Dieser Meinung kann ich mich anschliessen.
  • Ich bin der Ansicht, dass die vorliegende AHV-Revision nicht mit einer Steuervorlage verknüpft werden sollte, sonst ist eine Ablehnung durch das Volk vorprogrammiert.
  • Parallel zur AHV-Revision, sollte auch die zweite Säule stabilisiert werden. Dabei bin ich der Ansicht, dass nicht nur bei den einzahlenden Kassenmitglieder gekürzt werden sollte, sondern auch bei den aktiven Rentnern tiefere Umwandlungssätze ins Auge gefasst werden müssten, weil auch in diesem Bereich die Solidarität nicht nur einseitig sein kann.  Der Kasseneintritt sollte m.E. auf 18 Jahre gesenkt werden.

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