Der Alltag mit dem Corona-Virus bei der Kantonspolizei Glarus

Die Polizistinnen und Polizisten haben es nicht einfach in diesen Tagen. Sie müssen körperlichen Kontakt vermeiden, was nicht immer möglich ist. Die Einsatzfahrzeuge dürfen nur mit einer Person gefahren werden. Kommt es zu einer Konfrontation, müssen gelegentlich auch Spuckhauben eingesetzt werden, damit der öffentliche Dienst möglichst sicher wahrgenommen werden kann. Dazu ein Bericht von Urs Bertsch, Vorstandsmitglied Öffentliches Personal Schweiz und Polizist. Das Coronavirus hat auch bei der Kantonspolizei Glarus diverse Konsequenzen. Die Polizei muss auch in Zeiten einer Pandemie jederzeit die Sicherheit der Bevölkerung gewährleisten können. Um dies sicherzustellen, mussten diverse Einschränkungen angeordnet werden, welche  einen geregelten Dienstbetrieb nicht unbedingt erleichtern. Hier einige der Massnahmen:

  • Die Polizisten, die auf Streife sind, tun dies im Moment als Einzelbesatzung, d.h. dass die Einsatzfahrzeuge nur mit einem Funktionär  bestückt sind und deshalb zwei oder drei Wagen zu einem Ereignis ausrücken. Die Patrouillenfahrzeuge müssen vor und nach jeder Schicht desinfiziert werden, was einen erheblichen Aufwand darstellt.
  • Es wird über alle Abteilungen im Schichtdienst gearbeitet, dass pro Büro nicht mehr als eine Person anwesend ist.
  • Bis auf den Hauptschalter in Glarus bleiben alle weiteren Stützpunkte geschlossen, d.h. Bürger, die zu einer Anzeigeerstattung  erscheinen wollen, müssen sich nach Glarus begeben.
  • Selbstverständlich gelten alle vom BAG angeordneten Massnahmen auch bei der Kantonspolizei Glarus und werden eng umgesetzt.

Der Eigenschutz der Frontfunktionäre stellt bei Interventionen mit polizeilichem Zwang eine besondere Herausforderung dar, da es unvermeidbar zu körperlichem Kontakt mit den Aggressoren kommt. Leider zeigen nicht alle Bevölkerungsgruppen das gleiche Verständnis für die vom BR erlassenen Massnahmen zur Eindämmung von Covid-19. Insbesondere das Klientel am Bahnhof Glarus zeigt wenig Verständnis und tritt teilweise sogar bewusst provokativ auf und nutzt die «Covid-19 Umstände» zu ihrem Vorteil.

Leider kam es am vergangenen Samstag zu einem sehr unschönen Vorfall, bei welchem unsere Funktionäre sogar bespuckt wurden. Da der Aggressor behauptete, dass er unter dem Coronavirus leide, mussten unsere Funktionäre davon ausgehen, dass sie infiziert sind. Dies hatte zur Folge, dass sich die zwei Polizisten bis zur Entwarnung der Ärzte in eine über 24 Stunden dauernde Isolierung begeben mussten. Im Weiteren mussten für solche Vorfälle eigens Räumlichkeiten geschaffen werden.

Es ist wichtig, dass die Polizeifunktionäre adäquat auf solche Provokationen und Angriffe reagieren können, ohne sich zu stark exponieren zu  müssen. Aufgrund dieser Tatsachen hat das Kommando entschieden, die Distanzmittel zum Eigenschutz in diesen speziellen Situationen niederschwelliger als sonst einsetzen zu dürfen. Es wird natürlich erwartet, dass diese Einsatzmittel nach wie vor verantwortungsvoll und verhältnismässig angewendet werden.

Weiter ist es wichtig, sich richtig zu schützen. Sofern die Zeit und die Umstände dies zulassen, ist die Schutzausrüstung vor solch einschlägigen Einsätzen anzuziehen, ansonsten so rasch wie möglich nach dem Einsatz. D.h. Schutzbrillen, Schutzmasken und Handschuhe sind zu tragen, und der renitenten Person ist so rasch wie möglich die Spuckhaube oder eine Schutzmaske anzuziehen.

Nicht nur der aktuelle Dienstbetrieb und der Umgang mit Klienten ist im Moment etwas schwierig, sondern auch die Beschränkung der sozialen Kontakte, welche allerdings uns alle treffen. Viele Polizisten pflegen enge Kontakte zu anderen Polizisten oder üben zusammen sportliche Betätigungen aus. Dies dient oft der Psychohygiene, da schwierige Situationen untereinander besser besprochen und verarbeitet werden können. Dieses Ventil steht zurzeit nur eingeschränkt zur Verfügung. Alle diese Beschränkungen lassen uns erahnen wie es wäre, in einer Diktatur zu leben. Zum Glück ist diese bei uns nur temporär.

Bleiben oder werden Sie gesund, lassen Sie den Kopf nicht hängen und geniessen Sie nach dem Coronavirus Ihre Freiheit.

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