Flexible Arbeits(zeit)Modelle auf dem Vormarsch?

Nur Vorteile?

Auch wenn Arbeitgeber eine flexible Arbeitszeiteinteilung ermöglichen, ist die Umsetzung nicht immer problemlos möglich. Dabei kommen die Schwierigkeiten keineswegs vom Arbeitgeber selber, sondern von den Kolleginnen und Kollegen: Kritische Fragen oder Sprüche wie «Hast Du schon Feierabend?», wenn man ab 16.00 Uhr eine Weiterbildung besucht, oder «Kommst Du auch schon?», «Na, ausgeschlafen heute?», wenn man die Kinder zur Schule bringt und erst um 8.30 Uhr im Büro ist, führen dazu, dass flexible Arbeitszeiten entweder nicht oder nur verbunden mit einem schlechten Gewissen genutzt werden.
So führt der Gruppendruck trotz flexibler Arbeitszeit oft kontraproduktiv zu mehr Präsenz, welche nicht zwingend auch produktiv ist. Es ist deshalb wichtig, dass Vorgesetze in Unternehmen mit flexibler Arbeitszeitgestaltung dafür sorgen, dass hinsichtlich der Präsenz kein sozialer Druck entsteht und sich Mitarbeitende, welche ihre Arbeitszeit den eigenen oder Familienbedürfnissen anpassen, dies ohne schlechtes Gewissen tun können. 

Arbeitnehmende mit flexiblen Arbeitszeitmodellen müssen zudem darauf achten, eine gute Balance zwischen Erreichbarkeit und Abgrenzung vom Arbeitsalltag zu finden. So neigen gemäss einer SECO-Studie Arbeitnehmende mit flexiblen Arbeitszeiten eher dazu, länger als vertraglich vereinbart zu arbeiten und Überstunden zu leisten – insbesondere, wenn die Arbeitszeit nicht erfasst wird.
Eine aktuelle europäische Studie zeigt, dass flexible Arbeitszeitmodelle zwar zunehmen, die Arbeitszeit jedoch vermehrt nicht von den Arbeitnehmenden gestaltet, sondern von den Vorgesetzten bestimmt wird. Unternehmen nutzen die flexible Arbeitszeit also dazu, ihre Arbeitnehmenden vorwiegend nach den betrieblichen Bedürfnissen einzusetzen. Bei fast der Hälfte der Arbeitnehmenden mit flexiblen Arbeitszeiten kommt es denn auch regelmässig zu Änderungen der Arbeitszeit einseitig durch den Arbeitgeber; diese Änderungen erfolgen in zeitlicher Hinisicht

  • bei 7.8 % am selben Tag (!),
  • bei 10.4 % am Vortag,
  • bei 19.4 % einige Tage im Voraus und
  • bei 9.8 % einige Wochen im Voraus.

So führt was nach mehr Freiheit und Autonomie für Arbeitnehmende klingt, im Endeffekt zu einem «Arbeit nach Abruf»-ähnlichen Zustand. Es ist deshalb bei flexiblen Arbeitszeitmodellen genau zu prüfen, wie die betriebsinternen Regelungen hinsichtlich effektiver Entscheidung über die Arbeitszeiteinteilung und Blockzeiten lauten.

Letztlich sollten flexible Arbeitszeiten in der praktischen Umsetzung beiden Parteien gleichermassen dienen – also den persönlichen Wünschen der Arbeitnehmenden und den betrieblichen Bedürfnissen angepasst werden können. Hierfür sind klare Kommunikation, gegenseitiges Verständnis und Pflichtbewusstsein Voraussetzung. Unabdingbar ist aber auch, dass man die Flexibilität und wer darüber bestimmt, im Voraus klar vertraglich regelt. Das hilft, Missverständnisse zu vermeiden, aber vor allem auch, klar zu sagen, was gilt und auch klar zu sagen was man von Gegenüber erwartet.

Flexible Arbeitsformen

Die technischen Entwicklungen ermöglichen neben flexiblen Arbeitszeitmodellen auch neue flexible Arbeitsformen, welche zu einer veränderten Art der Zusammenarbeit führen. Vor der Einführung neuer Arbeitsformen ist zu prüfen, ob sie für die jeweilige Tätigkeit überhaupt geeignet ist, denn nicht jede Arbeitsweise passt zu jedem Arbeitgeber. So sind das Arbeiten unterwegs oder Home Office für zahlreiche Funktionen vorab untauglich. Arbeiten hingegen, die alleine oder im Team am Computer erledigt werden, eignen sich hervorragend, um sie zu Hause, unterwegs oder in Coworking-Spaces (betriebsunabhängige Arbeitszentren mit Arbeitsplätzen und Sitzungszimmern) zu erledigen. Insbesondere bei Arbeiten, die eine hohe Konzentration erfordern, bietet sich das Home Office an – vorausgesetzt natürlich, dass zu Hause ungestörtes Arbeiten möglich ist (und der Papa nicht von den Kindern abgelenkt wird). Die Kommunikation mit Vorgesetzten oder Teamkollegen erfolgt in der Regel persönlich in einem öffentlichen oder gemieteten Raum, per E-Mail oder per Telefon und Skype.

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