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Fachtagung Brunnen 2016

Die neusten Entwicklungen im personalrelevanten Umfeld waren Themen der diesjährigen Fachtagung Brunnen. Der wissenschaftliche Nachweis, wer eine Burnout-Erkrankung hat und wer nicht, die neuste bundesgerichtliche Rechtsprechung zum Personalrecht, Boreout und seine Folgen, die Untätigkeit des Gesetzgebers bei der Einbindung des Mannes in die Familie (nicht bloss der Versorger) und die wirkungsvollen Mittel für den Mitgliederaufbau in Personalverbänden waren die packenden Themen in Brunnen.

Am 10. und 11. November 2016 fand die jährliche Fachtagung Brunnen von Öffentliches Personal Schweiz (ZV) statt. Zum ersten Mal widmete sich die Veranstaltung nicht einem einzigen Thema in vertiefter Form, sondern bearbeitete mehrere aktuelle Themen. Die Referenten waren alles ausgewiesene Fachpersonen, die ihren Vortrag professionell und mit einer guten Prise Humor hielten. Die Rückmeldungen waren durchwegs positiv und die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer versprachen sich ein Wiedersehen an der Tagung im nächsten Jahr.

Neues zu Burnout

Das Thema Burnout war für die meisten Teilnehmenden nicht unbekannt. Dr. Dieter Kissling vom ifa, Institut für Arbeitsmedizin in Baden, freute sich umso mehr, die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse vorstellen zu dürfen.

Betrachtet man die Gründe für eine Arbeitsunfähigkeit fällt auf, dass die physischen Ursachen stabil geblieben sind, die psychischen Erkrankungen aber massiv zugenommen haben, erläuterte Dr. Kissling. Problematisch an dieser Entwicklung ist, dass die Genesung von psychischen Krankheiten sehr lange dauert, insbesondere im Verhältnis zu den meisten physischen Krankheiten. Umso erstaunlicher ist es, dass Unternehmen ihre grössten Investitionen der Vermeidung von Berufsunfällen widmen, jedoch kaum Präventionsmassnahmen gegen psychische Überlastungen ihrer Mitarbeitenden vorsehen, so Kissling. Er wies darauf hin, dass sich die Zahl der Burnout-Fälle in der Schweiz in den letzten Jahren verdreifacht hat. Zurückzuführen ist diese Zahl aber nicht nur auf die effektiven Erkrankungen, sondern auch auf die Enttabuisierung der Krankheit und die markante Zunahme an Psychiatern. Ausschlaggebend ist auch das zunehmende subjektive Stressempfinden, verursacht durch die massive Verdichtung der Arbeit, die Auflösung der Grenzen von Arbeit und Freizeit sowie die vermehrt emotionale Arbeit. Die Zahl der körperlich Arbeitenden wird stetig kleiner, hingegen wächst der Anteil der Dienstleister.

Chronischer Stress

Stress verursacht bei den Betroffenen die Ausschüttung von Hormonen, unter anderem von Cortisol, das leistungsfähiger macht. Was unseren Urahnen bei Gefahr das Leben rettete, führt heute bei einem chronischen Stresszustand zu psychosomatischen Beschwerden. So leiden Burnout-Betroffene unter einem Ungleichgewicht zwischen Anforderungen und Bewältigungsmöglichkeiten, es entstehen Konflikte im Sinne von «Zu viel Arbeit, zu wenig Zeit» oder «Zu hohe Anforderungen, nicht genügend Wissen oder Erfahrung» sowie «Harmoniebedürftigkeit vs. Konflikte».

Die Folge ist chronischer Stress, es folgen psychosomatische Beschwerden plus kognitive, verhaltensmässige und soziale Veränderungen. Vergesslichkeit zum Beispiel, so Dr. Kissling, ist ein ernst zu nehmendes Symptom für Burnout. Die langfristigen Folgen sind eine vorzeitige Alterung, eine Schädigung von Nervenbahnen oder ein Anstieg von Gerinnungsfaktoren im Blut. Somit kann heftiger Ärger tatsächlich Auslöser für einen Herzinfarkt sein, allerdings mit einer ca. zweistündigen Verzögerung.

Ursachen

Hohe Arbeitsmengen, Termindruck, mangelnde Ressourcen, mangelnder Erfolg, fehlender Handlungsspielraum, schlechte Teamarbeit und mangelnde Kommunikation sowie drohender Arbeitsplatzverlust sind für Arbeitnehmende belastend und beeinflussen das subjektive Stressempfinden. Verantwortlich für ein Burnout sind jedoch nicht nur äussere Faktoren, sondern massgeblich die eigene Persönlichkeit. Wer hohe Leistungsansprüche an sich selbst stellt, zu Perfektionismus neigt, sich stark über die Arbeit definiert, sich beweisen will, nach leistungsbezogener Anerkennung dürstet, zu Selbstüberschätzung neigt und eigene Körpersignale missachtet, läuft Gefahr, ein Burnout zu erleiden.

Burnout-Prävention:

Präventive Massnahmen sind sowohl individuell als auch auf der Ebene der Unternehmensorganisation möglich. Die wichtigsten Massnahmen auf individueller Basis sind:

  • Bewegung:
    • regelmässig 30 Minuten pro Tag gehen, min. 10 Minuten am Stück.
    • 3 mal pro Woche 30 Minuten Sport, gesundes Sporttraining, bei 70–80% des Maximalpulses (220 minus Alter)
    • 2 mal pro Woche 15 Minuten Krafttraining
  • Entspannung und genügend Schlaf (also zwischen 7 und 8 Stunden)
    • Aktives Musizieren;Singen und Blasmusik fördern die Atemtechnik
    • Lesen
    • Meditation
    • Achtung: Fernsehen dient nicht der Entspannung
  • Pflege der sozialen Kontakte
  • Grenzen setzen – sich selbst und anderen
  • Erwartungen herunterschraube
  • Stressverschärfer reduzieren
    • negative Gedanken zu Dingen, die man nicht beeinflussen kann, sollte man vermeiden, denn nur schon der Gedanke verursacht Stress
    • lernen, gelassen zu sein.

Auf organisatorischer Ebene können Führungskräfte die folgenden Punkte beachten, um bei ihren Mitarbeitenden Stress zu reduzieren:

  • Wertschätzung und Dank gegenüber Mitarbeitenden
  • Respekt gegenüber Mitarbeitenden
  • Mitarbeitende beobachten und entsprechend handeln

Führungskräfte sollten Vorbilder sein, ihr Team begeistern können, intellektuell stimulieren, Feedback geben und Beurteilungen individualisiert vornehmen.

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