Home-Office

Home Office – Braucht es gesetzliche Regelungen?

In den 90-er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde sie als die Arbeitsform der Zukunft gepriesen: die Telearbeit.

Statt jeden Tag zwischen Wohnort und Arbeitsort hin und her zu pendeln, sollten die Arbeitnehmer der Zukunft ihre Arbeit von zu Hause oder doch von nahe gelegenen Workcenter aus erledigen und das Arbeitsergebnis telekommunikativ dem Arbeitgeber übermitteln. Trotz vieler handfester Vorteile, welche Arbeitswissenschafter der Telearbeit attestieren, trat diese Arbeitsform damals keinen Siegeszug an. Die technischen Möglichkeiten sind heute um ein Vielfaches besser als vor 25 Jahren. Damit hat auch die Verbreitung von Telearbeit zugenommen. Braucht es deshalb neue Gesetze?

Der in den Anfängen prognostizierte Siegeszug der Telearbeit durch die Arbeitswelt ist bis heute ausgeblieben. Ungebrochen ist aber das Interesse von Studien und Befragungen zum Thema Telearbeit, allen voran durch die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), welche in regelmässigen Abständen dem Phänomen Telearbeit den Puls fühlt, letztmals im Rahmen der Flex-Work-Befragung von Mitte 2014.

Was ist Telearbeit?

In der Literatur wird Telearbeit definiert als Tätigkeit, die ausschliesslich oder zeitweise an einem ausserhalb der zentralen Betriebsstätte liegenden Arbeitsort verrichtet wird, wobei der dezentrale Arbeitsplatz mit der zentralen Betriebsstätte durch elektronische Kommunikationsmittel verbunden ist und das Arbeitsergebnis telekommunikativ übermittelt wird.

Vorteile der Telearbeit für Arbeitnehmer

Für die Arbeitnehmer hat dieses Arbeitsmodell einige Vorteile. Weil der Arbeitsplatz nicht – oder zumindest nicht immer – im Betrieb des Arbeitgebers liegt, sondern beim Arbeitnehmer zu Hause oder doch in dessen Nähe, fällt der Arbeitsweg weg. Wenn die Pendlerzeit wegfällt oder sich doch verringert, kann das rasch einmal ein bis zwei Stunden Zeitersparnis pro Tag bedeuten. Das heisst in der Regel auch weniger Ausgaben für den Arbeitsweg mit dem Auto oder dem öV und weniger Ausgaben für auswärtige Verpflegung.

Wenn die Distanz zwischen Arbeits- und Wohnort dank Telearbeit keine so zentrale Bedeutung mehr hat, gibt dies eine grössere Freiheit bei der Wahl des Wohnortes oder auch des Arbeitgebers. Telearbeit lässt nicht nur den Arbeitsweg wegfallen, sondern gibt auch die Möglichkeit, die Arbeitszeit flexibler zu gestalten, wenn es dem individuellen Tagesablauf entgegenkommt. Telearbeitende schätzen auch die Arbeitsatmosphäre zu Hause, die sie selber bestimmen können.

Für bestimmte Gruppen von Arbeitnehmern kann Telearbeit durch diese Vorteile den Zugang zum Arbeitsmarkt oder das Verbleiben in der Arbeitswelt erleichtern. Für Mütter und Väter mit Betreuungsaufgaben stellt Telearbeit eine Möglichkeit dar, Beruf und Familie besser zu vereinbaren.

Auch Menschen mit körperlicher Behinderung gibt das Arbeitsmodell Telearbeit mehr Chancen.

Vorteile der Telearbeit für Arbeitgeber

Vom Arbeitsmodell Telearbeit können nicht nur Arbeitnehmende profitieren. Auch für die Arbeitgeber gibt es gute Gründe, dieses Modell zu prüfen. Studien haben gezeigt, dass Mitarbeiter, welche Telearbeit leisten, oft produktiver sind als jene, die im Betrieb arbeiten. Dies hängt damit zusammen, dass mit Telearbeit ein individuellerer Arbeitsrhythmus möglich ist, der zu höherer Arbeitszufriedenheit und letztlich zu höherer Produktivität führt.

Durch das Angebot von Telearbeit kann der Arbeitgeber qualifizierte Mitarbeiter behalten, wenn diese wegen familiären Gründen eine Sitzverlegung nicht mitmachen wollen oder eine Babypause planen.

Berechnungen haben vor allem auch gezeigt, dass Telearbeit Einsparungen ermöglicht durch die Reduktion von Büroflächen und weniger Ausgaben für die Einrichtung von Arbeitsplätzen.

Nachteile der Telearbeit für Arbeitgeber

Hätte Telearbeit nur Vorteile, wäre sie heute schon wesentlich verbreiteter. Aber es hat doch auch einige Schattenseiten dieser neuen Arbeitsform, welche sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer zurückhaltend sein lassen.

Auf Arbeitgeberseite ist Telearbeit mit einem Verlust von Kontrollmöglichkeiten verbunden. Wer als Arbeitgeber Telearbeit anbietet, muss damit leben können, dass er den Arbeitnehmern nicht mehr beliebig oft physisch über die Schultern blicken kann, um ihre Arbeitsweise zu überwachen. Wenn der Arbeitnehmer von zu Hause aus arbeitet, sollten auch Themen wie Datensicherheit und Datenschutz mit ihm geklärt werden.

Nachteile der Telearbeit für Arbeitnehmer

Auf Seiten des Arbeitnehmers besteht bei Telearbeit die Gefahr der Isolation. Wer nur noch von zu Hause aus arbeitet, verliert den Anschluss an die innerbetriebliche Kommunikation. Das kann dazu führen, dass man bei der Vergabe von Weiterbildungen oder gar bei Beförderungen übersehen und übergangen wird.

Wer Telearbeit leistet sollte darauf achten, dass er sich nicht selbst ausbeutet indem er den Gesundheits- und Arbeitsschutz vernachlässigt und im Extremfall auch mit Fieber und Grippe noch arbeitet, statt sich zu kurieren. Es darf auch nicht übersehen werden, dass durch Telearbeit zusätzliche Kosten anfallen, angefangen von Telekommunikationskosten über Stromkosten, Büroeinrichtung bis hin zu Arbeitsmaterial. Die Tragung dieser Kosten sollte auf jeden Fall mit dem Arbeitgeber geregelt sein und darf nicht ausschliesslich zu Lasten des Arbeitnehmers gehen.

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