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Interview mit Pascal Huber, Verkehrsexeperte, Strassenverkehrsamt Zürich

Wie oft darf man sich für eine Prüfung anmelden?

Für zwei Prüfungen kann man sich einfach so anmelden. Für die dritte Prüfung muss man nachweisen, dass die Fahrausbildung abgeschlossen ist. Wer diese nicht besteht, muss einen verkehrspsychologischen Fahreignungstest machen. Wenn er positiv ausfällt, kann man sich nochmals für die Prüfung anmelden.

Gibt es auch gefährliche Fahrten?

Es gibt spannende Sachen zu sehen und zwischendurch auch gefährliche, manchmal sogar sehr gefährliche.

Können Sie eingreifen?

Ja, aber nur bedingt. Schwierig wird es, wenn der Prüfling im falschen Moment auf das Bremspedal tritt. Ich kann dann nicht zur Korrektur Gas geben. Das kann zu sehr gefährlichen Situationen führen, wenn zum Beispiel jemand auf der Autobahn eine Vollbremsung macht. Das kann passieren, wenn man auf dem Beschleunigungsstreifen darauf hinweist, dass rechts nicht überholt werden darf – statt vom Gas zu gehen, treten Einzelne voll auf die Bremse.
Noch schwieriger ist es, wenn wir auf der Beifahrerseite keine Gas- und Bremspedale haben. Das kommt vor, weil die Prüflinge nicht mit dem Fahrschulauto an die Prüfung kommen müssen. Einzige Bedingung für ein privates Fahrzeug ist, dass die Handbremse für uns erreichbar ist. Das nützt aber nicht sehr viel.
Mit der Zeit entwickelt man ein Gespür dafür, wie gefährlich eine Fahrt werden könnte.

Und die Bekanntgabe des Resultats?

Man fährt zurück auf den Parkplatz und gibt das Resultat bekannt. Die Reaktionen sind sehr unterschiedlich und man sieht alle Emotionen wie Freudentränen, andere Tränen, Ausraster, Türe zuknallen.
Wenn jemand die Prüfung nicht bestanden hat, zeigen wir die Gründe auf. So haben die Prüflinge die Möglichkeit, sich gezielt zu verbessern.

Haben Sie eine Checkliste mit Verkehrssituationen?

Ja, wir haben Vorgaben, was wir prüfen müssen. Dazu gehören die verschiedenen Geschwindigkeiten, das Befahren schneller Strassen, Kurvenlinien – es sind sehr viele Punkte, die wir abarbeiten müssen. Man bekommt da aber eine gewisse Routine.

Haben Sie Standardstrecken?

Nicht wirklich, jeder Experte darf selber entscheiden, wohin er fahren will. Da alle zur gleichen Zeit losfahren, macht es auch Sinn, dass wir unterschiedliche Strecken wählen und nicht hintereinander herfahren.
Wir wechseln bei den Strecken ab, auch um auf die Wohnquartiere Rücksicht zu nehmen und um dem Stau in den Stosszeiten auszuweichen. Aber natürlich hat jeder Experte seine bevorzugten Runden, die er gut kennt. 80 % der Prüfungszeit müssen effektiv gefahren sein, um eine Entscheidungsgrundlage zu haben.

Wie viele Prüfungen werden pro Tag abgenommen?

Es ist eine anstrengende Aufgabe, weshalb wir jeweils halbtageweise als Prüfungsexperten eingeteilt werden. An einem Vormittag ergibt das fünf Prüfungen. Insgesamt werden im Kanton Zürich pro Jahr rund 30 000 Prüfungen abgenommen.

Gibt es Fehler, die dazu führen, dass man sofort umkehrt?

Ja, wenn die Fahrt für mich als Experten oder für andere Verkehrsteilnehmer gefährlich ist. Wenn jemand schlecht fährt, kann man den Prüfling mit verbalen Eingriffen zurückführen – dann fahren wir so, dass wir sicher zurückkommen.
In ganz prekären Fällen fahren wir selbst zurück. Zum Beispiel, wenn ein Eingriff nicht möglich ist, weil jemand nicht zuhört und bei Lenkkorrekturen Gegenwehr gibt. Das ist aber sehr selten der Fall.
Die meisten sind vorbereitet, ein paar sind gut vorbereitet und wer nicht so gut vorbereitet ist, kommt halt noch ein zweites oder drittes Mal.

Nehmen Sie lieber Fahrzeug- oder Führerprüfungen ab?

Ich mache beides ungefähr gleich gern. Mir gefällt die Abwechslung.

Wie ist die Aufteilung?

Rund 30 % meiner Arbeit ist die Abnahme von Führerprüfungen. Das ist etwas von der Saison abhängig. Im Herbst zum Beispiel gibt es viele Führerprüfungen für Motorräder.

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