Bewerbungen

«Die Absagen lauten immer gleich»

Jetzt habe ich mich für einen neunwöchigen Weiterbildungskurs als Verwaltungsangestellte angemeldet. Die Kosten dafür übernimmt das Amt für Wirtschaft und Arbeit. Darüber bin ich sehr glücklich, denn ich selber hätte das Kursgeld nicht aufbringen können. Im Moment gerade gibt mir die Perspektive, diesen Kurs absolvieren zu können, etwas Hoffnung. Ich verspreche mir davon, dass ich nach Abschluss bessere Chancen habe bei einer Bewerbung in der Verwaltung. Das würde mir entsprechen. Aus einer früheren Weiterbildung bringe ich ein Attest als Sozialversicherungsfachfrau mit.

Ich lebe bescheiden. Mein grösster Luxus ist das GA der SBB. Das ist mir wichtig. Ich gehe gerne in die Berge, in die Natur. In meiner Situation ist es wichtig, dass man immer mal wieder aus den eigenen vier Wänden herauskommt, sonst fällt einem die Decke auf den Kopf. Sonst leiste ich mir nicht viel. Man hat mit 70 % des früheren Lohns, der ja auch nicht grossartig war, schon eine happige Einbusse zu verkraften.

Ich engagiere mich bei Save 50Plus, dem Schweizer Arbeitnehmer- und Arbeitslosenverband. Im Juni nahmen wir zusammen mit Gewerkschaftern und Parlamentariern an einem Runden Tisch in Bern teil. Unter den Politikern waren Vertreter aller Parteien, ausser der SVP. Wir – die Betroffenen – erzählten über unsere Erfahrungen bei der Stellensuche. Ende November wurde das Treffen wiederholt. Als Resultat davon gibt es das Manifest «Respekt und Sicherheit für ältere Arbeitnehmende». Darin wird ein Diskriminierungsschutz für ältere Arbeitnehmende bei Stellenausschreibungen gefordert. Es geht um besondere Fürsorgepflichten der Unternehmen, die Verantwortung der RAV ist ein Thema sowie Übergangslösungen für 50plus, die auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr Fuss fassen können.

In der ganzen Diskussion um ältere Arbeitnehmende scheint mir noch ein weiterer Punkt ganz wichtig, und das sind die BVG-Beiträge. Sie betragen in der Altersgruppe der 55- bis 64-Jährigen 18 %. Im Vergleich dazu sind es bei den 35-44 Jährigen nur 10 %. Neben dem Alter und den damit verbundenen Vorurteilen sind diese hohen BVG-Beiträge bei der Stellensuche ein echtes Handicap. Es wäre sehr wünschenswert, wenn man hier eine Nivellierung anstreben würde, um diesen Stolperstein aus dem Weg zu schaffen.

Aber bis zu einer BVG-Revision in diesem Punkt ist es noch ein langer Weg. Ich werde das in meinem Arbeitsleben sicher nicht mehr erleben. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als mich immer von neuem wieder zu bewerben, und die Hoffnung nicht aufzugeben.»

Therese Jäggi
Quelle: Context 1/18

 

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